Schwitzhütte – das ist für mich eine Erfahrung, die weit mehr als Visionen beinhaltet. Schamanische Reisen, Rituale und Techniken, damit war ich bereits vertraut. Als ich dann erfuhr, dass eine Schwitzhütte in meiner unmittelbaren Umgebung stattfinden sollte, zog es mich magisch an. Unerklärlich. Musste ich tun. Warum eigentlich? Hatte ich doch unglaubliche, zugegebenermaßen irrationale, Ängste, wie Scham, Platzangst, Schwitz- und Atemmangel in einer Sauna und, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, meine Menstruation.
Trotzdem meldete ich mich an. Die Erklärung hierfür lieferte mir dann Dancing Thunder: wer hier ist, ist es nicht zufällig. Wir wurden alle von unserem Geist hierher gebracht.
Mit zittrigen Knien fuhr ich also zum Hüttenaufbau. Abgelegener Bauernhof, die Wiese von Bäumen umarmt. Dort lernte ich die anderen Helfer kennen. Es war eine interessante Erfahrung zu sehen, wie man eine Schwitzhütte baut. Es herrschte vollkommene Einheit, Freundlichkeit und viel, viel Humor. Auch den Häuptling Dancing Thunder hatte ich mir anders vorgestellt. Dieser wirkte in seiner Jeans und Sweater mit den langen Haaren wie ein netter Kumpel. Doch strahlte er eine innere Stärke aus, die mir viel von meiner Angst nahm. Vertrauen baute sich auf.
Am Tag des Rituals war die Hütte bereits abgedeckt mit Stoffen und Decken. In jeder Himmelsrichtung war ein Medizinrad in den Farben der Susquehannock aufgebaut. Das Feuer war schon vor einiger Zeit angezündet worden, um darin viele Basaltsteine zu erhitzen. Durch das gemeinsame Ziel war es für mich nicht mehr unangenehm, mich auszuziehen und mit einem Handtuch zu bekleiden. Als Menstruierende hatte ich den Vorteil, mir gleich nach den Kindern einen Platz in der Hütte zu suchen. Natürlich am nächsten zum Ausgang! Die Hütte füllte sich. 30 Leute. Das ist viel. Wird es mir zu eng? Nein, es geht. Gar nicht so schlimm. Ich wurde aufgeklärt, dass jeder zu jeder Zeit das Ritual unterbrechen konnte, wenn es nicht mehr ging. Nach einführenden Worten wurden Steine herein getragen.
Es ging los! „Türe“ zu, stockdunkel, heiß, heißer. Mit dem Hintern auf der kühlen Erde, den Kopf in den Knien um möglichst kühle Luft von unten zu bekommen, saß ich da. Die Trommel von Thunder war unglaublich schön und kraftvoll. Nach Gesängen mit wunderschönem Sound reisten wir in die erste Himmelsrichtung, den Norden. Der Spirit wurde von den Teilnehmern begrüßt. Viele wurden direkt zum Wolf. Die Hütte füllte sich kraftvoll mit Wölfen in jeder Form. Ich war noch nicht so sehr auf Jaulen eingestellt. Zum einen war ich damit beschäftigt, mich mit meinen Ängsten auseinander zu setzen, zum anderen „reise“ ich anders. Dennoch drangen nach einiger Zeit auch aus meiner Kehle heulende Laute. Ich wurde mitgerissen.
Noch ein Aufguss – und der erste Gang war vorbei! Wie, schon vorbei ? Das ging ja ganz gut. In der nächsten Runde lief auf meiner Haut das Wasser in Rinnen runter. Aber ich selbst konnte immer noch nicht schwitzen. Ab der dritten Runde war alles viel leichter. Warum? Ich konnte schwitzen. Letzte Hürde geschafft!
Nach der vierten und letzten Runde ging ich als Sieger aus der Hütte! Ich kann mehr als ich dachte! Gratuliere! Ich war stolz auf mich – und erschöpft. Nach dem abschließenden, entspannten Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen auf der Wiese wurde die Hütte abgedeckt und alles weggeräumt. Nach einer herzlichen Umarmung mit allen – denn sie waren für mich spirituelle Freunde geworden – verließ ich den Ort: mit dem Versprechen wieder zukommen.
Andrea